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Opernführer
Ludwig van BEETHOVEN
Ludwig van Beethoven geb. 1770 in Bonn, gest. 1827 in Wien, entstammt einer Musikerfamilie, gab schon als Kind Konzerte mit eigenen Kompositionen. Mit 22 Jahren kam er nach Wien (Weiterbildung u.a. bei Haydn), wo er bis zu seinem Tode blieb. Von Adelskreisen wurde ihm eine Rente ausgesetzt. Seine großartigsten Werke schrieb er im Zustand völliger Ertaubung. Haupt werke: Sinfonien, Konzerte, Schauspielmusik, Kammermusik, Klaviermusik, die »Missa solemnis«, Lieder, eine Oper.
Fidelio
Oper in zwei Akten Texte nach Bouilly von Sonnleitner und Trätschke
Personen:
- Don Fernando, Minister (Bariton)
- Don Pizarro, Gouverneur eines StaatsgefängÂnisses (Bariton)
- Florestan, ein Gefangener (Tenor)
- Leonore, seine Gemahlin, unter dem Namen Fidelio (Sopran)
- Rocco, Kerkermeister (Baß)
- Marzelline, seine Tochter (Sopran)
- Jacquino, Pförtner (Tenor)
Zeit: In einem spanischen Staatsgefängnis beiSevilla, Ende des 18. Jahrhunderts
Uraufführung: 20.11.1805, Wien, Theater an der Wien
Der Glaube an »die Menschheit« hatte sich im Zuge der Französischen Revolution politisch durchgesetzt. Künstlerisch schlug er sich u.a. nieder in den sogenannten Menschheitsopern, vor allem in Cherubinis Wasserträger (1800) und Beethovens Fidelio (1805). Besonders fesselnd, daß sich im Fidelio der Allgemein-Glaube in einer starken Ich Persönlichkeit widerspiegelt: nicht in ruhigen breiten Zügen, sondern in fast vulkanischen Felsbrocken. Mittel zu solcher Gestaltung ist vor allem das Orchester. Es ist zwar im allgemeinen so besetzt wie das Mozarts; doch arbeitet Beethoven vielfach sinfonisch. Aus einem Thema, einem Motiv, einem Motivteilchen entwickelt er nach sinfonisch dramatischen Gesetzen das Geschehen einer ganzen Szene. Daher ist im Fidelio die Orchestersprache ebenso beredt und wichtig wie die Gesangsstimme; doch auch der Gesang ist, wie unser Beispiel zeigt, von großartiger szenischer Anschaulichkeit. Nicht minder fesselnd, wie Beethoven für jede Personengruppe den entsprechenden Ausdruck findet; man vergleiche nur die geradezu kleinbürgerliche Musik, die etwa Marzelline und Jacquino begleitet, mit der seelisch-dramatischen Tiefe von Florestans Gesängen.
1. AKT: Der Pförtner Jacquino wirbt um Marzelline, die Tochter des Kerkermeisters Rocco. Diese aber denkt neuerdings immer nur an den jungen Fidelio, den Rocco vor einiger Zeit als Gehilfen eingestellt hat Eben kehrt Fidelio von einem beschwerlichen Gang zurück, belobt von Rocco, der Fidelio gern als Schwiegersohn haben würde, eifersüchtig beobachtet von Jacquino. Fidelio aber ist die als Mann verkleidete Gemahlin des Staatsgefangenen Florestan, den sie befreien möchte. Jetzt benutzt sie Roccos gute Stimmung und bittet ihn, bei der Gefangenenbetreuung helfen zu dürfen. Er willigt ein; nur zu einem besonderen Gefangenen dürfte er sie nicht mitnehmen. Fidelio Leonore ahnt, wer das ist. Im Gefängnishof gibt Gouverneur Pizarro Anweisungen. Da bringt ihm Rocco ein Schreiben, in dem er vor einer Gefängnisuntersuchung durch den Minister gewarnt wird. Sofort ist sein Plan gefaßt: ein Trompeter soll blasen, wenn ein Wagen naht, Rocco soll im tiefsten KerÂker ein Grab ausheben für den Gefangenen Florestan, den der Minister keinesfalls finden darf. »Dann werd ich schnell vermummt mich in den Kerker schleichen, ein Stoß! - und er verstummt« Pizarro stürmt davon. Trüber Ahnungen voll naht Fidelio-Leonore. Auf ihr Bitten läßt Rocco die Gefangenen in den Gefängnishof; sie sind alle unschuldig Verfolgte. Rocco teilt Fidelio mit, daß er ihm beim Grab ausheben behilflich sein dürfe. Pizarro kehrt zurück und tobt, weil die Gefangenen im Freien sind. Doch es gelingt, ihn zu beruhigen.
2. AKT: Florestan liegt in seinem Kerker. Halb wahnsinnig geworden durch sein Los und die Trennung von Leonore, singt er von seinem Leid; dann fällt er in Ohnmacht. Rocco und Fidelio treten ein, um das Grab zu schaufeln. Beim Lichtschein erkennt sie ihren Gemahl. Fast ohnmächtig reicht sie ihm einen Trunk Wasser. Da naht Pizarro. Er gibt sich Florestan zu erkennen: »Pizarro, den zu stürzen wolltest, steht nun als Rächer hier!« Er will ihn niederstechen. Fidelio springt dazwischen, wird beiseite geschoben, wirft sich abermals dazwischen, schreit »Tot1 erst sein Weib!« Einen Augenblick erstarrt alles, dann dringt Pizarro auf beide ein. Aber Leonore hält ihn mit einer Pistole in Schach. Da hört man das Trompetensignal: Rettung, der Minister naht! - Verwandlung. Auf dem Platz vor dem Gefängnis schenkt der Minister allen die Freiheit (»Es sucht der Bruder seine Brüder und kann er helfen, hilft er gern«). In Florestan erkennt der Minister seinen tot geglaubten Freund. Pizarro wird verhaftet. Ein machtvolles Finale auf Gattenliebe und Menschlichkeit beschließt das Werk.
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