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Vorgeschichte des Flamenco
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FLAMENCO 
Der Beginn des Flamenco
Die ersten Aufzeichnungen über die Geburt des Flamenco stammen von ausländischen Reisenden des 19. Jahrhunderts: Richard Ford (1830), George Borrow (1836), Charles Dembowski (1838-1840), Theophile Gautier (1843), Alexandre Dumas (1847), Adolphe Desbarrolles (1862), Baron Charles Davillier (1862) und anderen. Sie liefern uns nur spärliche, oft ungenaue Informationen. Es ist unklar, ob die von ihnen beschriebenen Gesänge und Tänze noch zur spanischen Folklore gehören oder ob es sich bereits um Flamenco handelt. Der aufschlussreichste Text zum Thema ist sicherlich das 1847 veröffentlichte Buch Escenas an-daluzas [Szenen aus Andalusien] des andalusischen Moralisten und Volkskundlers Serafin Estebanez Calderön. Er beschreibt eine Abendveranstaltung in Triana, dem Gita-no-Viertel von Sevilla; die Stars des Abends waren »El Fil-lo«, Juan de Dios, Maria de las Nieves, ein alter Sänger mit dem Spitznamen »El Planeta« und das Tänzerpaar »El Jerezano« und »La Perla«. Die Gesänge und Tänze hatten Namen, die zum Teil noch heute im Flamenco vorkommen. Man weiß allerdings nicht, ob sie damals das gleiche bezeichneten wie heute; nichts beweist, daß die tonadas se-villanas den heutigen tonäs entsprechen oder dass die se-guidillas mit den uns bekannten seguiriyas übereinstimmen.
Es liegen Welten zwischen der seguiriya des Flamenco und der volkstümlichen seguidilla, und das gleiche gilt für andere Flamenco-Gesänge, die nur die Namen der folkloristischen Liedformen beibehalten haben: polo, cana, rondena, Fandango. 1862 beobachtete Baron Davillier in Triana, wie eine junge Gitana mit »kupferfarbenem Teint und pechschwarzen Augen« voll Grazie den in Spanien so beliebten »amerikanischen Tango« tanzte. Damals, im 19. Jahrhundert, überschwemmten lateinamerikanische Tänze wie der Tango die iberische Halbinsel, und man sieht leicht, welcher Abgrund sie vom heutigen tango flamenco trennt, dem geniale Künstlerinnen und Künstler wie »La Nina de los Peines« ein ganz neues Gepräge verliehen haben .
Abgesehen von »El Planeta«, »El Fillo« und den anderen bei Estebanez Calderön erwähnten Musikern und Tänzern kennen wir die meisten Flamenco-Künstler der ersten Generation durch Antonio Machado »Demöfilo«, der sich wiederum auf einen Gitano namens Juanelo berief. Die vier ältesten sollen im 18. Jahrhundert gelebt haben: »Tio Luis el de la Juliana«, »Tio Luis el Cautivo«, »Tia Maria la Jaca« und »Tio Vicente Maccarön«. Sie alle waren Gitanos und trugen den Ehrentitel tio (Onkel) oder tia (Tante), der nur älteren Respektspersonen zustand. Gemäß der Tradition der Gitanos sind von ihnen - wie von »El Planeta« - nur die Beinamen überliefert, die offiziellen Namen sind längst in Vergessenheit geraten.
Die anderen von Juanelo und »Demöfilo« erwähnten Künstler hießen Juan Bernal, Curro Casado, Luis Jesus, Luis de Rueda und Juan de Vargas. Unter den Gitanos des ausgehenden 18. Jahrhunderts kamen diese Namen nur selten vor. Nur die Vargas waren stark vertreten, und zwar in Jerez, wo sie größtenteils als Schmiede lebten. Namen und Berufe - alles deutet darauf hin, dass die Künstler aus gut integrierten Familien stammten, die oft keine reinen Gitano-Familien mehr waren und deswegen nicht so stark ausgegrenzt wurden. Diese Familien befreiten die Gitanos in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus ihrer kulturellen Isolation. Durch sie drang der - damals noch namenlose - Flamenco an die Öffentlichkeit. Während der bürgerliche Name von »El Planeta« ein Rätsel ist, weiß man, dass der bei Estebanez Calderon beschriebene »El Fillo« eigentlich Francisco Ortega Vargas hieß und in Puerto Real als Spross einer Schmiedefamilie zur Welt kam. Die Ortegas sind eine der bedeutendsten Flamenco-Dynastien mit zahlreichen Tänzern, Tänzerinnen und Sängern - darunter auch der große »Manolo Caracol« - und mehreren Stierkämpfern wie Rafael »El Gallo«. Die Ortegas verschwägerten sich mit anderen Flamenco-Familien, den Espeletas, den Jimenez und den Pavons - Arturo, Tomas und Pastora, die »Nina de los Peines« -, die ihrerseits von der Dynastie der »Pelaos« abstammten und mit den Cruz Garcias verwandt waren, also auch mit »Antonio Mairena«.
Man könnte so fortfahren und würde bald merken, dass sämtliche großen Flamenco-Künstler zumindest weitläufig miteinander verwandt sind. Sie bilden eine große, weit verzweigte Familie. Fast alle Gitanos, die heute Sänger sind, können auf eine lange Familientradition mit professionellen oder nicht-professionellen Musikern zurückblicken, und man muss sich klar vor Augen führen, dass die Spuren des Flamenco sich nur deswegen im 18. Jahrhundert verlieren, weil das Familiengedächtnis der Gitanos nicht weiter als drei bis vier Generationen zurückreicht.
Kurz gesagt, alle uns bekannten Sänger der ersten Generation waren Gitanos, und die meisten von ihnen waren keine Profis: Francisco Ortega »Frasco el Colorao«, der Ende des 18. Jahrhunderts zur Welt kam; »Tio Antonio Cagancho«, ein 1820 geborener Schmied aus Triana; Maria Fernandez Pena, genannt »Maria Borrico«, aus San Fernando; Enrique Ortega Diaz, Spitzname »El Gordo Viejo«, ein Metzger aus Cädiz; Manuel Molina, ein Viehhändler aus Jerez, der »El Sefior Curro Molina« genannt wurde, oder »Curro Durse«, mit bürgerlichem Namen Francisco Fernandez Boigas, der, wie viele andere auch, nur im Familienkreis und auf Privatfesten sang. Sie alle haben sich einen Namen gemacht als Schöpfer und herausragende Interpreten der frühen Flamenco-Stile, insbesondere der tonds und siguiriyas.
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