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Konzertführer

Noten

 

Johann Sebastian BACH
1685-1750

 


Einführung
Orchesterwerke
Kammermusik
Klaviermusik
Chorwerke

 


Orchesterwerke

Die »vier Suiten«, meist nach dem Eröffnungsstück »Ouvertüren« genannt, sind entweder noch in Köthen oder zu Beginn der Leipziger Zeit entstanden. Aufgeführt werden sie durch Streicher (mit Cembalo) und einige Bläser (zwei Oboen, drei Trompeten) sowie Pauken. Wirklich heimisch ist in unseren Konzertsälen nur die dritte, die wir daher als Beispiel für die ganze Gattung wählen. Sie besteht aus fünf Sätzen: der Ouvertüre (langsame Einleitung - schneller fugierter Zwischensatz - langsamer Abgesang) .einem Air (Arie für Instrumente), einer Gavotte, einer Bourree (Geschwind-Gavotte) und einer Gigue. Das einleitende Grave spannt sich mit seinem Thema und dessen Untermotiv wie eine gewaltige Bogenbrücke über den musikalischen Strom. Viermal wird das Untermotiv mit seinen stützenden Vierteln und schwingenden Sechzehnteln wiederholt, und vier Sätze folgen der Ouvertüre. Zu diesem Thema der Oboen und ersten Geige bringen zweite Geige und Bratsche einen punktierten Rhythmus, der in der Begleitung das ganze Grave unterbaut. Den Zwischensatz der Ouvertüre bildet eine lebendig dahinströmende Fuge. Den zweiten Teil erfüllt das berühmt gewordene »Air« (nur Streicher), eine empfindungstiefe Melodik von unbeschreiblicher Schönheit. Das springende Thema der Gavotte wird durch die Beteiligung der Trompeten in den ersten Takten besonders feurig und glanzvoll. Ein liebenswürdig anmutiges Bourree leitet über zum Schlußstück: einer Gigue.

Die »Sechs Brandenburgischen Konzerte« (Bach schrieb sie in Köthen auf Bestellung des Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg) sind zwar als höfische Unterhaltungsmusik gedacht; doch in ihrer Verbindung von künstlerischem Ernst und spielerischer Heiterkeit liegt ein unvergänglicher Zauber. Es handelt sich um meist dreisätzige Werke (schnell-langsam-schnell). Konzerte im heutigen Sinne sind sie nicht, denn es treten nicht so sehr Einzelspieler konzertierend einem Orchester gegenüber, vielmehr findet das Konzertieren (also »Wetteifern«) statt zwischen gleichberechtigten, oft auch gleich stark besetzten Klanggruppen. Zuweilen werden die Stücke zu Concerti grossi in dem bei Händel aufgezeigten Sinne; meist aber tragen sie eher kammermusikalische Züge. Als Beispiel wählen wir die beiden am häufigsten aufgeführten Konzerte.

Das dritte Brandenburgische Konzert (G-Dur) kommt dem Begriff des Concerto grosso sehr nahe. Das Tutti wird zerlegt in drei Gruppen: erste, zweite und dritte Geigen, erste, zweite und dritte Bratschen, erste, zweite und dritte Celli. Aus dem Wechsel zwischen Tutti und Einzelchören sowie dem Ineinandergreifen der drei Streichchöre entsteht ein lebendig bewegtes, fesselndes Klangbild. Der erste Satz beginnt im ganzen Orchester mit dem Hauptthema, das anschließend entwickelt wird. Wie der ganze Satz zu den bedeutendsten Schöpfungen Bachs gerechnet werden darf, so ist sein Thema eine der spannungsstärksten Erfindungen des Meisters. Die Stelle des sonst üblichen langsamen Satzes wird in diesem Konzert ausgefüllt durch nur zwei Adagio-Akkorde. Vielleicht ist der Schlußsatz nicht so bedeutend wie der erste; jedoch: sein hinreißender Schwung, sein übersichtlicher Aufbau (nach Rondo-Art) und die Verbindung kontrapunktischer Satzkunst mit spielerischer Musizierfreude geben auch ihm ein herrliches Gepräge.

Von ganz anderer Art ist das fünfte Brandenburgische Konzert (D-Dur). Dem Streichorchester wird gegenübergestellt ein Solistentrio von Flöte, Geige und vor allem Cembalo. Gleichzeitig dient das Cembalo als Begleitinstrument für das Orchester. Im ersten Satz ist die Themengestaltung dem Orchester übertragen, wobei zu Beginn auch die Sologeige herangezogen wird. Die Durchführung hat ihren besonderen Reiz: an ihr sind zunächst sämtliche Instrumente beteiligt, dann aber wird das Streichorchester immer mehr zurückgedrängt; unter dem Druck der rollenden Zweiunddreißigstel-Gänge des Cembalo weichen schließlich auch noch Flöte und Geigen wie verschüchtert zurück. In einer umfangreichen Kadenz führt Bach nun das Cembalo allein zu leidenschaftlichen Ausbrüchen. Den Ausklang gibt das Orchester mit einer Wiederholung des Hauptgedankens. In dem langsamen zweiten Satz (Affettuoso) schweigt das Orchester. Flöte, Geige und Cembalo spinnen ein klagendes h-Moll-Thema aus. Um so vergnügter wirkt das anschließende Allegro. Seine ganze heitere Kraft und unbeschwerte Leichtigkeit zieht es aus einem einzigen Motiv von zwei Takten.

Über die sieben sogenannten Klavierkonzerte Bachs können wir hier nicht sprechen, weil es sich anscheinend ausnahmslos um Bearbeitungen handelt. Von den drei Konzerten für zwei Klaviere seien jedoch das erste und zweite hervorgehoben. Das in c-Moll (auch ohne Orchester sehr dankbar) wirkt trotz seiner ursprünglichen Fassung für zwei Geigen recht klaviermäßig. Mit weichem Schwung setzen die Klaviere im Einleitungsteil das Thema hin, wie meisterlich sind die thematischen und motivischen Verknüpfungen des letzten Satzes mit seinem kraftvoll abwärts führenden Themenbeginn in die Klavier Stimmen gearbeitet. Das Adagio bringt einen zauberhaften Zwiegesang (Kanon) der beiden Oberstimmen. Schon von Beginn an für zwei Klaviere gedacht, wirkt das C-Dur-Konzert besonders großartig. Allerdings tritt das Orchester hier noch mehr zurück als im ersten und dritten; im Mittelsatz wird es überhaupt nicht verwendet. Helle Musizierfreude beherrscht den ersten Satz, in dem sich die beiden Klaviere ein kurzes Triller-Motiv kunstvoll zuwerfen. Das Schluß-Allegro ist einer der glanzvollsten Klaviersätze von Bach: eine Fuge, die von den Klavieren durchgeführt wird, während das Orchester nur die Unterteilungen verdeutlicht.

Zwei Violinkonzerte stammen mit Sicherheit von Bach selbst. Das in a-Moll ist kammermusikalisch durchsichtig gearbeitet. Im ersten Satz legt das Orchester den thematischen Stoff fest, bevor sich die Sologeige am Spiel beteiligt. Der zweite Satz ist ein seltsam ergreifendes Gegeneinander einer starren Baßfigur und der stegreifartig geführten Geige. Ausklang bildet eine frisch-lebendige Gigue. Am Beginn des E-Dur-Konzerts steht ein kontrapunktisch verwobener sinfonieartiger Satz mit einem dunklen Mittelteil in Moll. Ähnlich wie im a-Moll-Konzert besteht der Mittelsatz (Adagio) aus einer gedanklich wie empfindungsmäßig tiefen Zwiesprache zwischen einer seelenvollen Geigenmelodie und einem gleichbleibenden Baßthema. Hinreißend der rondoartige Schlußsatz. Sehr wenig bekannt ist leider das d-Moll-Konzert für zwei Violinen, obwohl es zu den großartigsten Schöpfungen seiner Gattung gehört.

 

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