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Konzertführer
Bela BARTOK 1881-1945
Einleitung
Orchesterwerke
Kammermusik
Kammermusik
Kammermusik ist nicht die stärkste Seite von Bartoks Schaffen. Bei der außerordentlichen Bedeutung des Komponisten für den Entwicklungsgang der Neuen Musik wird hier wenigstens der Weg umrissen, den Bartoks sechs Streichquartette gegangen sind.
Das erste Quartett steht, von Einzelheiten abgesehen, auf dem Boden der Überlieferung; erst im Schlußsatz halten sich Altes und Neues wirklich die Waage (ohne allerdings eine echte Verbindung einzugehen). Im zweiten Quartett bricht sich der Rhythmus Bahn, die Harmonie wird zum Farbwert, das Thematisch-Melodische tritt als entwicklungsfähiger Gedanke immer mehr zurück. Unser Beispiel aus dem zweiten Satz zeigt, wie das Thematische sich auflöst und wie der Rhythmus als treibende (nicht bauende!) Kraft an dessen Stelle tritt. Das dritte und vierte Streichquartett führen das zuvor Erprobte fast rechnerisch weiter aus. Im fünfte Quartett wird sogar angegeben, wie lange jeder der fünf Sätze zu dauern habe, und zwar nach Bruchteilen von Sekunden! Mit dem sechsten und letzten Streichquartett tritt ein völliger Wandel ein. Mit einem Schlage ist alles auf halbe, mittlere, gedämpfte Werte gestellt; die Sätze heißen »Mezzo vivace / Mezzo mar-cia / Mezzo burletta / Mezzo«. Der Kopfsatz beginnend mit schwermütigem, langsamem Solo, ist vielgliedrig und vielflächig; der »Halbmarsch« arbeitet mit Gitarrenwirkungen und punktierten Rhythmen, die sich gegen Schluß seltsam verflüchtigen; auch die Bur-letta hebt trübe und schwermütig an, wird dann aber heiterer, ergießt sich in einen walzerartigen Teil, enthält eine Pizzicato-Stelle, die themenlos dahinzieht; trübe, lastende Melodik im Schlußsatz. Also eine Welt, ganz verschieden von der aller vorangehenden Quartette. Die Melodik ist - wenn auch in gewandelter Form - wiedergekehrt, es gibt kleine Soli, die einzelnen Stimmen treten thematisch zueinander in Beziehung. Auf die Klavierwerke können wir hier nicht eingehen. Das einst vielgespielte Allegro barbaro hört man heute kaum noch, zudem ist es für die Gesamterscheinung Bartoks kaum mehr charakteristisch (1911). Doch ausgesprochen sei, daß man sich in das neuere Klavierschaffen kaum besser hineinfinden kann als durch die zahllosen kleinen Stücke Bartoks; ein ausgesprochenes Lehrwerk ist der »Mikrokosmos«.
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