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Ludwig van BEETHOVEN
1770-1827

 

 


Orchesterwerke
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CHORWERK: Missa solemnis

 

Die überragende Chorschöpfung Beethovens (geschrieben 1818 bis 1823). »Von Herzen - möge es wieder zu Herzen gehen«, schrieb der Meister auf die Partitur.

Chor- und Solostimmen (Sopran, Alt, Tenor, Baß) werden jeweils ineinandergefügt, miteinander verwoben , voneinander abgesetzt, so daß ein bald verdichtetes, bald verbreitertes und bald gelockertes Klangbild entsteht. Das Bestreben, nicht nur den großen Abschnitten den ihrem Sinn entsprechenden Ausdruck zu verleihen, sondern jeden Satz, jedes Wort, ja einzelne Silben musikalisch völlig zu durchleuchten, ist in der Missa-Solemnis so weitgehend verwirklicht, daß man sie als Krönung des Beethovenschen Werkbaus betrachten darf.

Eine andachtsvolle Orchestereinleitung führt in wenigen Takten feierliche Stimmung herauf. Dann setzt der Chor mit dem dreimaligen Ruf »Kyrie« (»Herr«) ein; wie aus entrückter Ferne wiederholt der Solo-Tenor, dann der Solo-Sopran, endlich der Solo-Alt, der sogleich das weich flehende »Eleison« (»Erbarme dich«) anschließt, welches nun demutsvoll vom Chor übernommen wird. Der zweite Teil, das »Christe eleison« (»Christus, erbarme Dich«), ist noch verhaltener, zugleich aber drängender, als wage der Mensch, eher Christus den Sohn als Gott den Vater zu bitten. Bei der Wiederholung des »Kyrie eleison« tritt das Orchester verdeutlichend und bekräftigend hervor. Reich an bildhaften Gegensätzen und gegensätzlichen Bildern das »Gloria«. Wie eine mächtig aufgeschwungene Flagge rauschen die ersten vier Orchestertakte empor.

Ungeduldig setzen die vier Chorstimmen schnell hintereinander mit dem vor Jubel sich überstürzenden »Gloria in excelsis Deo« ein (»Ehre sei Gott in der Höhe«), Bald aber stockt der Jubel, wird zum stillen Seelengebet: »Etinterrapax« (»Und auf Erden Friede«). Ein erneuter Aufschwung: »Laudamus te, benedicimus te« (»Wir loben Dich, wie preisen Dich«) und, pausenlos anschließend, leise, fast erschreckt über das zuvorige stürmische Loben: »Adoramus te« (»Wir beten Dich an«). Wiederum ohne Zwischenpause, laut, begeistert »Glorificamus te« (»Wir rühmen Dich«).

Sanft der Beginn des »Gratias agimus« (»Dank sagen wir«) im Solo-Quartett; der Chor übernimmt es, neue Anrufe: »Deus pater omnipotens«. Auf den gewaltigen Chor-Schrei folgt das Solo-Quartett, leise, zu weich schwebendem Akkord von Klarinetten und Fagott: »Domine fili unigenite« (»Herr, eingeborener Sohn«), Und dann murmelt es wie im Domes-Dämmer »Erbarm Dich unser«; doch, wieder ein Blick in Gottes Herrlichkeit, erneut ein emporfahrender Ruf »Der du sitzest zur Rechten des Vaters (»Qui sedes ...«). Vorder Wiederholung des Gloria steht die machtvoll-feste Fuge »In gloria dei patris« (»In der Herrlichkeit Gottes des Vaters«). - Noch bildhafter, dichter das »Credo«. In sich ruhend das einfache »Credo«, das »allmächtiger Vater« wieder ungeheuer gesteigert, erschauernd das geheimnisvolle »Ante omnia saecula« (»Vor aller Zeit«). Christus ist Gott von Gott, also »genitum« (»gezeugt«), und nicht etwa »geschaffen«: »non fac-tum, non factum« hallt es hartnäckig. Fast wie ein Choral der Chor »Qui propternoshomines ...«(»Derwegen uns Menschen ... herabgestiegen ist«). Mit halber Stimme kündet der Tenor das unbegreifliche Wunder »Und er ist Fleisch geworden ...«(»et incarnatus est«). -

 

Jeder Takt dieser von der Bratsche umdunkelten Worte ein klangliches Ausdruckswunder. Und der lauschende Chor stammelt erst gegen Ende die verklärten Worte nach, faßt sich schließlich, jubelt. Erneutes Zurückfallen; denn Christus ist gekreuzigt worden, hat für uns gelitten. Dann aber (»et resurrexit«) wiederauferstanden und zum Himmel gefahren. Der Abschnitt schließt nach Bildern des richtenden Gottes in der Doppelfuge »Et vitam venturi saeculi« (»und an ein Leben in kommender Ewigkeit« glaube ich) - einer in Tönen geschauten Ewigkeit. Leise verhallt das Amen im Solo-Quartett, im Orchester schwingt es noch einmal verhalten nach: »Et vitam venturi« ... Dunkel gefärbte Orchesterstimmen leiten das »Sanctus« ein. Heilig ist der Herr« beten die Solisten; dann aber jauchzend »Voll sind Himmel und Erde Deines Ruhms« und »Hosiannah in der Höh«. Ein Orchesterzwischenspiel (Sostenuto ma non troppo), von dem behauptet wird, Beethoven habe in ihm die heilige Wandlung darstellen wollen. - Das Bußgebet des »Agnus Dei« beginnt der Solo-Baß; die Stimmen des Männer Chors folgen, immer weiter greift die bußfertige Stimmung um sich, erfaßt die Solisten, den gesamten Chor, ergreift auch das in Bewegung geratene Orchester. »Lamm Gottes, erbarme Dich unser.« Fromm und schlicht hebt das »Dona nobis pacem« an. Beethoven setzt über diesen Teil: »Bitte um innern und äußern Frieden.« So erklärt sich die sonst unverständliche Tatsache, daß mitten in die Friedensbitte ein kriegerischer Trompetenmarsch drohend hineinschallt. Und endlich ein kurzer sinfonischer Presto-Satz des Orchesters; fast schreiend ruft der Chor mit höchster Lautstärke sein »Lamm-Got-tes«-Gebet hinein. Wenn nun noch einmal die Friedensbitte (»Dona nobis«) angestimmt wird, so nicht in ergebener Demut, sondern mit heftigem Anspruch, gewaltig, fordernd.

 

Ludwig van Beethoven - Ludwig van Beethoven - Ludwig van Beethoven - Ludwig van Beethoven -

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