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Noten

 

Frederic CHOPIN
1810-1849

 

 



Klavierkonzerte

 


Einleitung

Frederic Chopin (1810-1849) trat erstmalig mit neun Jahren öffentlich als Klavierspieler auf; mit zwölf Jahren gab ihn sein Lehrer frei, weil er ihn nichts mehr lehren konnte. Neben theoretischem Unterricht (u.a. bei Eisner) empfing er eine sorgfältige Allgemeinbildung. 1830 ging Chopin über Wien und München nach Paris. Dort zählte er bald zu einem Kreis berühmter Männer (u.a. Liszt, Berlioz, Balzac, Heine). Seine Bindung an die Dichterin George Sand ist allbekannt. Chopin schrieb fast ausschließlich Klavierwerke.

Chopins Klavierstil ist einmalig; nicht nur wegen der Mischung von ungehemmter Musizierlust und strenger Selbstzucht, sondern vor allem deshalb, weil er seine Themen in ganz ungewohnter Weise aufschließt. Die Komponisten vor ihm hatten die inneren Triebkräfte der Themen oder Motive entschleiert; Chopin dagegen bringt gewissermaßen die sie außen umgebende Luft, den zarten Duft der Melodien zum Klingen. Zweifellos sind dabei Umwelteinflüsse am Werk gewesen: der Vater war Franzose, die Mutter Polin, er selbst in Polen aufgewachsen, von dem Deutschen Eisner beeinflußt, sein Leben als Erwachsener verbrachte er in Paris in einem Kreis europäischer Geister - es ist wirklich kein Wunder, wenn seine musikalische Ausdrucksweise nicht auf einen Kern zielt, sondern ausstrahlt, sich verflüchtigt. Vielleicht merkt man das am deutlichsten dort, wo Chopin musikalische Ausdrucksweise nicht auf einen Kern zielt, sondern ausstrahlt, sich verflüchtigt. Vielleicht merkt man das am deutlichsten dort, wo Chopin musikalisches Volksgut seiner polnischen Heimat verwendet; er liebt es inbrünstig, doch wenn er es gestaltet, so spürt man bald mehr und bald weniger, wie es sich unter dem Einfluß weltbürgerlichen Denkens wandelt, eine ausgesprochen aristokratisch-schöngeistige Fassung annimmt.

Kaum ein anderer Komponist hat so instrumentalgerecht, das heißt hier also: klavieristisch geschrieben wie Chopin. Ob er seine Melodien samten glättet (Chopin ist vor allem Melodiker), ob er seine Harmonien mit allerlei Zwischenfarben tönt, ob er seine hohe rhythmische Begabung einer stampfenden Polonaise oder einem fast italienischen Sänger-Rubato leiht - immer ist alles aus den besonderen Spielbedingungen und Möglichkeiten des Klaviers erfunden. Und noch eines: Wer sich an den gleitenden, sich auflösenden, dann wieder zusammenfindenden Klängen Chopins rein gefühlsmäßig berauscht, der studiere einmal des Meisters Baßführung. An diesen Baßgesängen, Baßstützen und Baßmelodien wird man schnell erkennen, daß all das donnernde, duftige, flatternde, fließende, glühende, gleitende Tonspiel streng bezogen ist auf geistige Grundlagen. Chopin ist mehr als ein romantischer Schwärmer und bezaubernder Salonplauderer; er ist gestaltender Künstler.

Die beiden heute noch bekannten Klavierkonzerte sind Frühwerke, die neben manchem Wertvollen auch recht gleichgültige Stellen enthalten; ganz unzureichend ist der Orchesterpart ausgestaltet. Im e-Moll-Konzert (Opus 11,1830) bringt das Orchester drei Gedanken: das kraftvoll aufwärtsschreitende Kopfmotiv, das ausdrucksvoll klagende Hauptthema und den singenden Seitensatz. Damit ist die Aufgabe des Orchesters im Grunde beendet, und das Klavier schaltet frei, fast improvisatorisch mit dem gegebenen Stoff, virtuos, aber erfüllt von echtem Künstlergeist. Auch im zweiten Satz (Romanze) herrscht die Virtuosität; es ist ein Nachtstück, in dem man - um ein Chopin-Wort zu gebrauchen - »in einer schönen, mondbeglänzten Frühlingsnacht dahinträumt«. Der dritte Satz (Rondo) bleibt dagegen im Technisch-Spielerischen stecken. Das f-Moll-Konzert (Opus 21,1829) ist nur bedeutend im zweiten Satz; wieder ein Nachtstück, nun aber nicht nur träumerisch, sondern eine sehnsüchtige Aussprache des Menschen mit seinem Inneren: eine traumhaft schwebende Melodie rahmt leidenschaftlich schmelzende Ausbrüche (Appassionato). Der Kopfsatz ist ganz auf spielerischen Glanz gestellt, den Schluß bildet ein fast mechanisch dahinrollendes Walzer-Rondo.

 

 

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