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Noten

 

Antonin DVORAK
1841-1904

Antonin Dvorak (1841-1904, Tscheche) hat sich von unten emporgearbeitet, später gefördert durch Brahms und Bülow. Wurde dann Konservatoriumslehrer. 1892/95 in den Vereinigten Staaten, dann in Prag. Bekannt vor allem durch Orchesterwerke, Kammermusik, Opern.

 

 


 

Orchesterwerke

5. Sinfonie »Aus der neuen Welt«
Violinkonzert a-Moll
Cellokonzert h-Moll

__________

Kammermusik

Klaviertrio
Klavierquartett Es-Dur
Streichquartett Es-Dur
Streichquartett F-Dur
Streichquartett G-Dur
Streichquartett As-Dur
Klavier-Quintett A-Dur

 

 

Orchesterwerke

5. Sinfonie e-Moll »Aus der neuen Welt«.

Nur diese Sinfonie des Meisters ist in Deutschland wirklich bekannt. In ihr schuf er den künstlerischen Niederschlag seiner amerikanischen Eindrücke und Erfahrungen mit der amerikanischen Volksmusik jener Jahre. Dvorak bezeichnet es selbst als »Unsinn, daß ich Originalmelodien gebraucht habe; ich habe nur im Geist dieser

Nationalmelodien komponiert«. Gleichzeitig verleugnet sich jedoch auch nicht der Böhme, so daß die Sinfonie ein ganz eigentümliches Gepräge erhält. Erster Satz. Kurzgliedrige, zum Teil synkopierte Motive machen das einleitende Adagio sehr spannungsreich. Der eigentliche Hauptsatz (Allegro molto) bringt sogleich das Hauptthema: kraftvoll auf- und absteigend im Hörn, leicht tändelnd im Nachsatz der Klarinetten und Fagotte. Die beiden Untermotive werden vom Orchester immer mehr durcheinandergewirbelt. In Flöte, Oboe und Hörn erscheint ein etwas tänzerischer, zugleich aber schwermütiger Gedanke. Auffallend die Rhythmus-Verteilung im Takt, der halb amerikanische und halb böhmische Einschlag, der seltsame Schluß. Ein drittes Thema wird von der Flöte zu ruhenden Akkorden der Streicher angestimmt. Stark gegensätzlich die Durchführung dieser Gedanken. Zweiter Satz. Wie eine Ballade aus den alten Zeiten Nordamerikas klingt dieses Largo auf: schwermütig und traurig. Traum des Indianers vom Einst, wo die weite Prärie noch den Vätern gehörte, wo Minnehaha des Hiawatha harrte, wo der Mond über stille Wasser und Wälder schien. Einen Augenblick knirscht der Träumende zornig über das, was der weiße Mann zerstört hat (das Hauptthema der Sinfonie steigt drohend in den Posaunen empor), dann versinkt er wieder in tiefes Sinnen. - Dritter Satz. Dieses 

Scherzo soll etwas von einem Indianertanz wiedergeben; der stampfende Beginn läßt diese vom Komponisten gewollte Vorstellung auch wirklich aufkommen. Aber dann folgen zwei Walzer: ein ungebärdiger und ein behaglicher - Grüße an die böhmische Heimat. Zunächst versteckt, in der Coda jedoch nachdrücklich, tönt wieder das Hauptthema der Sinfonie in dem stampfenden, walzernden Satz. - Vierter Satz. Das Amerika unruhigen Vorwärtsdrängens, das sich kaum noch mit dem Vergangenen auseinandersetzen mag und doch unablässig an Vergangenes erinnert wird. Aber auch das Land, in dem der böhmische Meister der fernen Heimat gedenken muß. Sehr naturwahr und nicht minderkunstvoll gestaltet Dvorak den Gedanken dieses Schlußsatzes. Erregte Streichermotive unterstützt durch die Bläser, dann schmettern Hörner und Trompeten das machtvolle Thema der »Neuen Welt«. Wirbelnd fährt ein Triolen-Rhythmus empor, Ausdruck ursprünglicher Ungebärdigkeit. Ein Absinken des Jubels: leise, doch drängend stimmt die Klarinette eine böhmische Weise an, das Lied der Heimat. Sein heiterer Nachsatz (Flöte und Geigen) kündet laut von Polka-Seligkeiten. Dvorak läßt nacheinander und übereinander auch Gedanken der drei vorangehenden Sätze manches gewichtige Wort mitsprechen.

 

 

Violinkonzert a-Moll (1883).

Rhythmisch lebendig, prachtvoll strömende Gesangsweisen für Geige wie Orchester - und doch nicht häufig genug aufgeführt. Schon das Hauptthema des ersten Satzes (Allegro ma non troppo) entzückt durch den scharf geschnittenen Rhythmus und die weiche Melodik. Der Mittelsatz (Andante ma non troppo) gehört zu den seelenvollsten Einfällen des Meisters: die Gesänge schöpft er aus dem Brunnen der Volksmusik und formt sie behutsam, fast unmerklich zu wahrhaft künstlerischen Gebilden. Sehr fein die Rede und Gegenrede von Geige und Hörn. Das Schlußrondo reiht wieder einmal Bild an Bild, Melodie an Melodie.

 

 

Cellokonzert h-Moll (1896).

Vielgespielt, weil es nur wenige gute Cellokonzerte gibt und weil es klingt! Im ersten Satz (Allegro) macht Dvorak einfach Musik, kümmert sich nicht viel um »Durchführung« und dergleichen; dafür stellt er gleich vier Themen auf, eines ausdrucksvoller als das andere. Das Solo-Cello wird abwechselnd thematisch und virtuos-ausschmückend geführt. Der zweite Satz (Adagio) geht im wesentlichen darauf aus, die Instrumente singen zu lassen; so zu Beginn die Klarinette, dann das Cello. Bedeutungsvoll zitiert der Mittelteil die Melodie eines Dvorak-Liedes: Erinnerung an eine schöne, doch auch schwere Zeit seines Lebens. Besonders wirkungsvoll ist der Schlußsatz (Allegro moderato), in welchem der Cellist allerlei knifflige Kunststücke zu bewältigen hat, zugleich aber über einen warmen Ton verfügen muß. Wieder zahlreiche melodische Einfälle.

 

Kammermusik

Auch in seiner Kammermusik knüpft Dvorak - sosehr er wiederum von deutschen Meistern wie Beethoven und Brahms gelernt hat - an die tschechische Volksmusik an. Wir heben nachfolgend die bekanntesten kammermusikalischen Schöpfungen hervor.

 

Klaviertrio »Dumky« (1891, Opus 90).

Sechs Sätze, jeder gestaltet nach Art einer tschechischen oder ukrainischen Dumka (wörtlich: »Gedanke«), das bedeutet: jeder Satz beginnt mit einem langsamen Abschnitt, dem sich ein schneller (thematisch verwandter) Teil anschließt. Dem Verständnis des reizvollen Werkes stellen sich schon durch die Anlehnung an volksmusikalische Gestaltungsart keinerlei Schwierigkeiten in den Weg.

Klavier-Quartett Es-Dur (1875, Opus 23). Sichere, festgegründete Thematik und reicher Klaviersatz. Das einstimmig vorgetragene Hauptthema des Kopfsatzes ist Leitspruch für das ganze Quartett. In den Ecksätzen herrscht eine merkwürdige Mischung von fester Selbstbehauptung und weicher Sehnsucht. Dem entspricht der Innenbau: im langsamen Satz verströmend sehnsuchtsvoller Gesang, das Scherzo stilisiert die Selbstbehauptung zu ruhigem Tanz und läßt die Sehnsucht zu fast weichlichem Klang werden.

 

Streichquartett Es-Dur (1879, Opus 51).

Betont national-tschechisch; Dvorak war um ein »slawisches Streichquartett« für den Konzertsaal gebeten worden. In den Rahmensätzen treffen volkstümlich einfacher Stoff und kontrapunktische Arbeit höchst reizvoll zusammen; besonders der Kopfsatz mit seinen kontrapunktischen und tändelnden Wirrnissen gibt dafür ein schönes Beispiel. Als zweiter Satz eine Dumka (vergl. das Klaviertrio). Eine als dritter Satz auftretende Romanze zieht das Balladenhafte der Dumka ins Liedhafte, Klangträumende. Der Schlußsatz idealisiert mit seinen kräftigen Rhythmen vergnügt einen tschechischen Stampftanz.

 

Streichquartett F-dur (1893, Opus 96).

Wohl das beliebteste Quartett des Meisters, geschrieben unmittelbar nach der »Sinfonie aus der neuen Welt« und mit dieser verwandt. Freilich ist das Quartett durchaus lyrisch, entstanden in der Abgeschlossenheit eines amerikanischen Dörfchens. Es stellt keinerlei Ansprüche an den Formensinn des Hörers, ist gemischt aus dem Geist der vielfältig schillernden Volksmusik des damaligen Amerikas. und dem der tschechischen Heimat, durchsetzt von winzigen Landschaftsbildern und glückselig aufgefangenen Vogelrufen. Farbig gereiht die Bilder des Kopfsatzes, hartnäckige Synkopen des Lento Themas halten den zweiten Satz mit seinen zahlreichen kleinen Gegenstimmen in sehnsüchtig schwelgendem Schweben, sehr vergnügt das Scherzo mit dem Gemisch von Volkstanz (Thema) und Vogelgezwitscher (Gegenstimmen), heiter der von fast greifbaren Gestalten durchzogene Schlußsatz.

 

Streichquartett G-Dur (1895, Opus 106).

Es ist trotz der höheren Werkzahl vor dem As-Dur-Quartett (siehe unten) entstanden. Seine lichte Stimmung und zahlreiche Einzelheiten (»indianische« Anklänge, Vogelrufe usw.) erinnern an die Welt des F-Dur-Quartetts; im ganzen aber nähert es sich mehr der Dvorakschen Ausgangslinie Beethoven-Brahms. Das vogelschlagartige Grundmotiv des Kopfthemas beherrscht das ganze Werk.

Streichquartett As-Dur (1895, Opus 105). Entstanden vor der Heimreise aus Amerika ins Vaterland, daher auch wieder durchaus der europäischen Kammermusik und der böhmisch-tschechischen Volksmusik verpflichtet; Erinnerungen an das »Indianische« tauchen nur noch flüchtig auf. Eine im Einleitungs-Adagio aufsteigende Figur wird zur Keimzelle für die Themen des ersten, dritten und vierten Satzes. Fesselnd im ersten Satz das Hauptthema: es beginnt mit fester Zeichnung, gleitet dann mit einer Quintole des dritten Taktes ins Indianisch-Farbige, doch in der Durchführung wird die Quintole ihrer Farbigkeit beraubt, wird das Indianische abgestreift. Mit dem Scherzo bewegt sich Dvorak bereits ganz auf heimischem Boden; denn der Beginn ist ein tschechischer Furiant (scharf akzentuierter Schnelltanz). Und das Scherzo ist nicht zufällig an die zweite Stelle gerückt: im Lento kann der Tondichter nun einen beglückten Dankgesang anstimmen. Und das Motiv dieses Dankgesanges nimmt Dvorak in den Schlußsatz hinüber und gießt in das Finale idealisierte Heimatklänge.

 

Klavier-Quintett A-Dur (1887, Opus 81),

das stärkste und persönlichste Quintett des Meisters. Farbigkeit, klanggebettete Melodik, sichere Linienführung verleihen dem Quintett das musikalische Gesicht; reicher Wechsel erlebter Stimmungen gibt ihm das Persönlich-Menschliche. Es sind wirkliche Gesichter, Gestalten, die uns in den Themen des ersten Satzes entgegentreten. Das Hauptthema (Cello) ist gewissermaßen das Bildnis eines Menschen im Kreise gleichgestimmter Freunde. Die Entwicklung ist leicht zu verfolgen. Den Mittelbau bilden zwei heimatgebundene Sätze; zunächst eine Dumka (slawische, erzählende Volksballade), deren schwermütig langsamer Beginn auf dem gleichen Thema ruht wie der heiter-frohe zweite Teil; dann ein »Furiant«, böhmischer Tanz mit rhythmischer Kraft, klangfroh. Im Schlußsatz losrasende Musizierfreude; brachte der erste Satz menschliche Gestalten, so gibt der letzte das idealisierte Bild eines Tanzes in der Landschaft.

 

 

 

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