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Edvard GRIEG
1843-1907

 


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Kammermusik

 

Die Sonate für Geige und Klavier F-Dur (Opus 8) ist die bekannteste der drei Geigensonaten Griegs. Sie ist das Werk eines Dreiundzwanzigjährigen, also kurz nach der Klaviersonate geschrieben, doch gibt sie sich nicht so sehr dramatisch als lyrisch. Im Kopfsatz mit seinem im Dreiklang aufsteigenden und wieder fallenden, dann kühn um einen Halbton über den Grundton hinausgreifenden Hauptthema fesselt die Art der Durchführung: inhaltlich Landschaftsbilder und Stimmungen, formal ein Beweis für die starke (meist übersehene) motivische Arbeit Griegs. Nach der »Landschaft« des ersten Satzes zeichnet der junge Tondichter im zweiten Satz Menschen des Volkes (seltsam nur, daß die Landschaft und die Menschen nicht recht zusammenstimmen). Es handelt sich um ein Allegretto quasi andantino mit einem bewegteren Mittelsatz: feine Stimmungszeichnung umschließt einen derben Bauern-Tanz. Im Schlußsatz hat sich Grieg anscheinend selbst dargestellt, wie er damals war. Da finden sich Erinnerungen an die Lehrjahre in Deutschland (gleich zu Anfang der Durchführung hebt er mit einer schulgerechten Fuge an, gibt sie aber bald mit lachendem Unmut wieder preis), Gedanken an sein großes Vorbild Robert Schumann stellen sich ein; aber über dem ganzen Satz liegt doch von Beginn an so viel loderndes Feuer, so viel lebensmächtiger Rhythmus, so viel leuchtende Farbe, daß dieses Schlußstück als Bekenntnis Griegs zu sich selbst und zu seiner Heimat aufgefaßt werden darf.

 

 

Die Sonatefür Cello und Klavier (Opus 36)

strebt mehr nach Ausdruck und Charakter als nach Schönheit. Sehr einheitlich der erste Satz mit seinen brausenden Schicksalsstürmen. Dieser düsteren Leidenschaftlichkeit folgt ein Andante, dessen Sang sich nicht zum ruhigen Lied gestalten will, vielmehr die Mächte des ersten Satzes wieder heraufbeschwört. Aus Not und Unruhe des einzelnen flüchtet der Tondichter mit dem Schlußsatz in die bergende Kraft des Volkslebens: ein knappes urwüchsiges Tanzthema überzieht die bald übermütigen, bald gedämpften Bilder dieses Satzes mit einheitlicher Grundfärbung.

 

 

Streichquartett g-Moll (1878).

Gewissermaßen eine tönende Dichtung über die norwegische Landschaft und deren Bewohner; daher der Klangaufwand, die kräftig hingemalten Farben, die maßlos erscheinende Breite des Schlußsatzes. Sehr fest die thematische Verklammerung: das anspruchsvoll-heftige Kopfmotiv der langsamen Einleitung kehrt in allen Sätzen wieder. Im ersten Satz als Seitengedanke, der dem Grollen des ersten Themas ein stilles Singen entgegensetzt; das Gegeneinander von Schroff und Weich wird in diesem Satz herrlich ausgebreitet. Auch in der Romanze (zweiter Satz) steht das Kopfmotiv nicht an erster Stelle, sondern mischt sich erst in den motivisch gezackten, harmonisch herben Mittelteil der sonst so melodisch-innigen Romanze. Im Intermezzo drängt sich das Kernmotiv dann schon deutlicher hervor und wirkt so als Vorbereitung eines kleinen Tanzbildes.

 

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