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Konzertführer
Edvard GRIEG 1843-1907
Orchesterwerke Kammermusik Klavierwerke
Klavierwerke
Wahrhaft unerschöpflich ist der in Griegs Klavierwerken niedergelegte Schatz. Aber der größte Teil verzichtet um des inneren Gehalts wegen auf die äußere Wirkung, so daß man nur ganz wenige dieser Kompositionen als konzertmäßig bezeichnen kann. Und selbst diesen begegnet man nicht allzuoft.
Sonate e-Moll (1865, Opus 7).
In dieser Schöpfung eines Zweiundzwanzigjährigen lebt alles auf, was den jungen Tondichter damals beschäftigte: die norwegisch-nordische Welt mit ihrem Sagendämmer und Wirklichkeitssinn, mit ihrem brausenden Heldensang und heimlichem Märchenzauber. Ein Werk des Überschwangs und der »gelernten Arbeit« zugleich. Stürmisch, ungestüm und klangmächtig der erste Satz. Wie Grieg motivische Arbeit, Klangentfaltung und echte Leidenschaft zu binden weiß, lehrt eine Stelle aus der glänzend gesteigerten Coda; eine Sechzehntelfigur aus dem Thema wird zum Kontrapunkt des
Themenkopfes. Das liedhafte, weiterhin balladenartige Andante ist thematisch unauffällig dem ersten Satz verpflichtet und nimmt auch schon vieles der letzten Sätze voraus. Motivisch an die übrigen Sätze gebunden ist auch das »Alla Menuetto« mit seinem männlich-höfischen Tanz-Hauptteil und den heimatlich-landschaftlichen Klängen des Mittelsatzes. Alles übergipfelt das Finale. Dessen erster Teil entwickelt zunächst ein rhythmisches (punktiertes) Motiv vom Piano zum Fortissimo und wieder zum Pianissimo. Wie ferner Märchenton erklingt dann ganz leise das Seitenthema, das sich im Verlauf als wichtigster musikalischer Gedanke erweist (im Grunde das umrhythmisierte und vergrößerte Andante-Thema); als Anhang gesellt sich ihm der punktierte Rhythmus des Satzbeginns. In langer Entwicklung wird er in dynamisch gegensätzlichen Abschnitten durchgeführt, bis das »Seitenthema« wieder einsetzt und in eine orchestrale, ja opernhaft wirkende Steigerung gewuchtet wird.
Ballade g-Moll (Opus 24).
Die bedeutendste Klavierschöpfung Griegs, weniger leidenschaftlich als die Sonate, dafür um so reifer. Der Ausdruck dieser großartigen nordischen Tondichtung reicht von zarter Seelenkeuschheit bis zu wilder Schicksalsbejahung; sie kündet von Vergangenheit und Gegenwart, von menschlichen Charakteren und ihren landschaftlichen Entsprechungen. Die satztechnischen Mittel reichen von ruhiger, verinnerlichter Stimmigkeit bis zu dem äußerlich glänzenden Klavierstil Liszts. Der stark chromatische, harmonisch herbe Balladengedanke wird in verschiedenen Variationen spieltechnisch und inhaltlich immer neu gestaltet. Die Variationenkunst Griegs und die hohe Menschlichkeit des Werkes scheinen nicht sehr bekannt zu sein; andernfalls würde man die Ballade häufiger hören.
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