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Edvard GRIEG
1843-1907

 

 


Orchesterwerke
Kammermusik
Klavierwerke


Orchesterwerke

Die Kleinform der Klavierstücke behält der norwegische Tondichter auch in seinen Orchesterwerken bei. Dadurch gewinnen sie an Verständlichkeit. Als weitere Merkmale treten hinzu: volksliedartige Melodik, häufige Verwendung von Tanzformen, herbe Harmonik, bedeutsam hervortretende Mittelstimmen und ein satter Orchesterklang.

Von den verschiedenen sehr schönen Orchesterwerken führen wir hier nur die bekanntesten auf.

 

Suite zu »Peer Gynt«.

Zu Ibsens »Peer Gynt« hat Grieg eine seelenverwandte Schauspielmusik geschrieben. Die beiden ihr entnommenen Orchester-Suiten sind in Deutschland sehr bekannt geworden, vor allem die erste. - »Morgenstimmung«. Hochgebirge bei Tagesanbruch. Flöte und Oboe werfen sich wechselweise ein sanft wiegendes Motiv zu, steigern es, zeigen es in neuen Harmonien; immer stärker wird der Ausdruck - die Sonne geht strahlend auf. Dann ein kurzes (dem Hauptmotiv nachgebildetes) Thema der Celli: dunkel wie eine Wolke, doch immer wieder überglänzt durch die lebhafter und heller werdenden Klänge des Orchesters. Neue Harmonie-Rückungen, rieselnde Bewegung in den Begleitstimmen, leise das Hauptmotiv im Hörn: Zauber des Waldes. Triller in den Holzbläsern, Vogelgezwitscher. Stille. - »Ases Tod.« Kaum hat die Mutter ihren landfahrenden Sohn wiedersehen können, da stirbt sie hinüber, während ihr Peer ahnungslos nach alter Weise phantastische Geschichten erzählt. Streichorchester mit Dämpfern, schmerzliche Harmonien und Disharmonien, aufsteigend und wieder zusammensinkend, bald kummervoll und bald laut anklagend. Nach dem heftigsten Ausbruch ein neues Motiv: halbtonweise abgleitend wie schleichendes Weh. Verhauchend im Nichts. -»Anitras Tanz«. Peer Gynt in Arabien, begrüßt und geehrt als »Prophet«, die Häuptlingstochter Anitra tanzt vor ihm. Zunächst trippelnd (Beispiel), dann huschend auf geschwinder werdenden Achteln, und im Mittelsatz sogar lüstern begehrend. Wieder der Hauptsatz, jetzt aber verführerisch, aufreizend: gehaltene Bässe wie lauernd, verliebtes Umschlingen im Kanon von Bratsche und Geige. Nochmals das Trippeln, ein leiser Baßschritt, träumend verdämmernder Schluß. Auch dieses bildhafte Stück ist für Streichorchester geschrieben. »In der Halle des Bergkönigs«. Bei Ibsen heißt es: »Auf Peers Weigerung, sich für immer zum Troll machen zu lassen, jagen und peinigen ihn die Trolle«. Grieg macht diese Szene mit den einfachsten Mitteln lebendig: ein Thema setzt nach

und nach in den Instrumenten ein, erst in den Bässen, dann immer höher kletternd, lauter werdend, zunächst wackelnd, dann tanzend, schließlich drohend und peitschend. Ein einziges Thema, doch eine Fülle schrecklicher Eingebungen und fratzenhafter Gesichter.

 

2. Suite zu »Peer Gynt«. Von dieser Suite ist vor allem der letzte Satz bekannt geworden. - »Der Brautraub. Ingrids Klage«. Peer Gynt hat von einer Dorfhochzeit die Braut geraubt und sie ins Gebirge geschleppt. Das Tonstück gibt die Stimmung der geraubten Ingrid wie der. Einige heftige, verzweifelte Takte malen den Schrecken des Mädchens. Sie lauscht - keine Antwort. Der Vorgang wiederholt sich. Dann stimmt Ingrid ihr schmerzliches Lied an (Andante doloroso): schwermütig und klagend, doch zugleich herb und trotzig wie die Natur, deren Kind sie ist. Die Verzweiflungsrufe kehren wieder, noch heftiger, noch bewegter, doch vergeblich. - »Arabischer Tanz.« Ein Gegenstück zu »Anitras Tanz« aus der ersten Suite. Jetzt aber tanzen vor Peer Gynt alle Arabermädchen des Stammes, nicht mehr die Häuptlingstochter allein. Triangel und Pikkoloflöte verstärken die »arabische Färbung« des Tanzthemas. Im Mittelteil umwirbt wohl eine einzelne Schöne den »Propheten« Peer Gynt. Zum Schluß wird der Hauptsatz wiederholt. Das Ganze eine Art Ballettmusik mit sinnlichen, opernhaften Zügen. - »Peer Gynts Heimkehr«. »Stürmischer Abend an der Küste.« Eine Sturmstimmung wie in Wagners »Fliegendem Holländer«. Aufspringende Quintenmotive, fegende Sechzehntelfiguren, schrille Dissonanzen, stürmende Halbtonläufe. Wild rast das Unwetter über die aufgepeitschte Flut, bis das Schiff des Heimkehrenden zerschellt. Stille über den Wassern. »Solvejgs Lied«. Aus Lebens- und Meeresstürmen hat sich Peer Gynt im Alter zu der treu harrenden Geliebten Solvejg gerettet. Sie singt ihm ihr Lied, das Lied der Liebe und des Todes. Die ernste Weise wird durchsetzt von Erinnerungen an entschwundenes Jugendglück: in sechsundsiebzig Takten Lebensweg und Seelenschmerz, selbstverständliche Liebestreue des schlichten Weibes zu einem unbegreiflichen, schweifenden Mann.

 

 

Klavierkonzert a-Moll (1868).

Das schönste romantische Klavierkonzert nach Schumanns a-Moll-Werk. Entstanden in jener Zeit, in der sich Grieg zwar immer noch seinem Vorbild Schumann verpflichtet fühlte, aber schon im Geist norwegischer Volksweisen Eigenes zu geben suchte. Wie Schumanns Konzert beginnt der erste Satz mit einer Folge abwärtsführender Akkorde. Prächtig und doch volkstümlich der Schnitt des Hauptthemas: festliche norwegische Melodie; die Weiterführung geschieht allerdings durchaus im Geiste von Schumann. Das zweite Thema geht eigene Wege, vor allem in der eigentümlich hellen, strengen Harmonik. In der Durchführung verzichtet Grieg auf kunstvollen Aufbau, gibt vielmehr eine Folge geschlossener Klang und Melodienbilder. Melodiengesättigt, schwärmerisch singend der zweite Satz (Adagio). Grieg wiederholt seine Themen unablässig, träumerisch und stolz, sinnend und lauschend, ganz im Geist echter Volksmusik. - Festlich und froh geht es im dritten Satz her. Das sind jene springlebendigen Tänze und zögernd werbenden Weisen, an denen die »Lyrischen Stücke« so reich sind: Bilder aus der Heimat. Farbige Orchestertönung, griffiger Klaviersatz und kraftvolle Bewegtheit geben dem Satz einen hinreißenden Schwung.

 

 

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