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Georg Friedrich HÄNDEL
1685-1759

 

 


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Klaviermusik

Da Händels Klavierwerke infolge der damaligen Zeitumstände ziemlich unsystematisch überliefert wurden und man nicht immer mit völliger Gewissheit sagen kann, ob die Ausgaben wirklich genau den Absichten des Meisters entsprechen, sind sie nicht recht ins Bewußtsein der musikalischen Öffentlichkeit gedrungen (greifbare Ausgaben sind die vier »Sammlungen« der Deutschen Händelgesellschaft, die sogenannte »Aylesford-Sammlung«, und endlich einige Frühwerke) . Obwohl Händel mit Bach und Scarlatti zu den weltberühmten Spielern seiner Zeit gehörte, hat er dem Klavier - gemessen an den Großwerken des Meisters – wirklich überragendes nicht anvertraut. Wer sie sich aber einmal zu eigen gemacht hat, wird sie nicht mehr missen wollen. Sie wirken unglaublich frisch, als seien sie eben erst entstanden, von einem bedeutenden Spieler und meisterhaften Komponisten in diesem Augenblick am Klavier improvisiert. Diese stegreifartige Ursprünglichkeit strahlt nicht weniger Reize aus als die tiefsinnige Gedankenarbeit eines Bach; daher mag es kommen, daß der musikalisch Ungeschulte von Händels Klavierwerken schon beim ersten Hören unmittelbar angesprochen wird, während er sich den Zugang zu dem gleichaltrigen Bach häufig erst - in allerdings unvergleichbar herrlicher Arbeit - langsam bahnen muß.
Hier ist nicht der Platz, auf Zweifels- und Streitfragen einzugehen; daher geben wir nur einige Andeutungen von Werken, die mit Sicherheit endgültig von Händel herausgegeben wurden.

Dahin gehören die acht Suiten der »Ersten Sammlung« von 1720. Zu jener Zeit war die Suite eine ganz bestimmte Formfolge; sie umfaßte die Kernsätze Allemande-Courante-Sarabande-Gigue, die sämtlich in der gleichen Tonart standen und zuweilen durch allerlei »Modesätze« (Polonaise, Bourree usw.) ergänzt wurden. Händel springt mit dieser Form völlig frei um, verzichtet meist auf die motivisch-thematische Satzverwandtschaft, nähert sich zuweilen der Sonatenform und hält nur die einheitliche Tonart innerhalb einer Suite im allgemeinen (nicht immer) fest. So entsteht ein überaus wechselvolles Bild. Diese acht Suiten sind samt und sonders wahre Prachtstücke, bald spielerisch gelockert und bald straff gebunden, vielfach aus treibender Bewegung geboren. Die fünfte Suite enthält die bekannten »Grobschmied-Variationen« Thema mit fünf Veränderungen), ein Klavierstück, an dem man in höchst einfacher Weise die damals beliebte Bewegungsvariation studieren kann: im Grunde nur eine ständig gesteigerte Bewegung von Achteln zu Sechzehnteln, zu Sechzehnteltriolen und schließlich zu Zweiunddreißigsteln. Wohl am stärksten die achte Suite (d-Moll): an der Spitze ein motivisch verzahntes Adagio-Präludium, dann eine prunkende Allegrofuge. Diesen beiden Sätzen entsprechen in der Gleichgewichtsverteilung die dann folgenden (wie das Präludium mit Dreiklangsmotiven beginnenden) Sätze Allemande, Courante und Gigue. Das Ganze stolz und männlich.

Auch die sogenannte »Vierte Sammlung« ist von Händel selbst herausgegeben worden (1735). Sie besteht aus sechs großen Fugen. Von Bachs Fugen unterscheiden sie sich dadurch, daß sie bei aller Satzkunst nicht so »gearbeitet«, gedanklich nicht so vertieft und verwoben sind, vielmehr dem eigentlichen mehr Raum lassen, sich in Zwischenspielen fast vom thematischen Grundgedanken entfernen, stegreifartig wirken, sich häufig am Widerstreit zweier Themen ergötzen (sehr nachdrücklich in der B-Dur-Fuge Nr. 3). Wichtiger als Stimmigkeit sind Klang und Bewegungsantriebe. Es sind Werke, die auch denjenigen begeistern müssen, den sonst vor dem Wort »Fuge« ein gelindes Gruseln überkommt.

Die »Aylesford-Sammlung« ist ein Schatzkästlein von zauberhaften Stücken für das häusliche Klavierspiel, die in ihr enthaltenen 76 Tonstücke wurden erst 1918 bei einer Versteigerung der Musikbibliothek des Earl von Aylesford bekannt. Ein Drittel der Sammlung besteht aus meist knappen Menuetten, leicht spielbar, herrlichen, straff geformten Stücken von lebendig-frischer Melodik. Von hier führt der Weg über kaum minder köstliche Sarabanden, Allemanden und Gavotten, über klare Präludien, schlichte durchsichtige Fugen, sicher gestaltete Sonatinen und Sonaten zu prächtigen Chaconnen, von denen sich die in C-Dur mit ihren 49 Variationen zu geradezu konzertmäßigem Glanz erhebt, ohne hohe technische Anforderungen an den Spieler zu stellen. Wer verhältnismäßig leicht spielbare, wirkungsvolle und zugleich höchsten künstlerischen Anforderungen entsprechende Hausmusik sucht, wird in diesen unvergleichlichen Stücken auf seine Rechnung kommen.

 

- Georg Friedrich HÄNDEL - Georg Friedrich HÄNDEL - Georg Friedrich HÄNDEL - Georg Friedrich HÄNDEL - 

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