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Konzertführer
MOZARTJAHR 2006
MOZARTJAHR 2006 engl.
MOZARTEUM
BIOGRAPHIE
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Wolfgang Amadeus MOZART 1756-1791
Orchesterwerke
Mozart war kein Sinfoniker wie etwa Haydn oder Beethoven; von seinen 49 Sinfonien haben sich daher im Grunde nur drei bis heute als lebensfähig erwiesen - diese allerdings in höchstem Maße. Kommt Haydns sinfonische Sprache mehr von der Suite mit ihren tanzartigen Sätzen und ihrer straffen Linienführung, so geht Mozart mehr von der »Serenade«, der »Abendmusik« aus. Ihre sangbare Melodik breitet er über alle vier Sinfoniesätze aus, während früher das »Singen« der Instrumente fast ausschließlich den langsamen Sätzen allein vorbehalten war. Damit verwischte er den Gegensatz zwischen Bewegungs- und Empfindungsmusik (was ihm seinerzeit auch stark angekreidet wurde). Diese singenden Allegro-Themen hat er wohl aus zwei Quellen geschöpft: aus dem Salzburger Kulturkreis mit seiner Hinneigung zu den melodienseligen Italienern und aus dem Werk des Johann Sebastian Bach, der diese Melodienfreudigkeit von seinem zehnjährigen Aufenthalt in Italien mitgebracht hatte. Aber auch von Haydns Kunst der motivischen Verarbeitung hat Mozart manches in seine späten Sinfonien übernommen. Freilich sind seine sinfonischen Durchführungen nicht so kunstvoll und männlich wie die Haydns oder Beethovens; der melodische Fluß seiner musikalischen Einfälle war zu stark, als dass er sich den Ballungen motivischer Feinarbeit hätte fügen mögen. Die orchestrale Sprache hat Mozart durchweg bereichert. Wie beredt ein Instrument sein kann, hatte er bei seinem Opernschaffen wohl beobachtet. Und den Grundsatz der »redenden Instrumente« hat er sogleich in seine Meistersinfonien verpflanzt.
Sinfonie Es-Dur (Köchel 543).
Breit ausladend wie Fanfarenklänge, festlich einladend wie ein geöffnetes Schloßtor wirkt das in akkordischer Pracht gehaltene Anfangs-Adagio. Die leise Beklemmung am Schluß wird sogleich beseitigt durch das liebenswerte Hauptthema des anschließenden Allegro. Nach einer kurzen Überleitung setzt ein Motiv im Forte ein, das die feierlich-festliche, kraftvoll -frohe Stimmung des Adagio wie mit einem stolzen Kopfnicken bekräftigt. Frohe Anmut und männliche Lebensbejahung - das sind die Grundbestandteile dieses ersten Satzes.
Diese dramatische Gegensätzlichkeit beherrscht den ganzen Satz, so daß. er anmutet wie eine lange Zwiesprache zwischen Welt und Ich, Schein und Sein. Das Andante cantabile beginnt mit einem Thema, dessen weich gesungene Untermotive durch einen harten Akkordschlag merkwürdig herb beendet werden. Auch dieses Thema enthält die verschleiert gegensätzlichen Stimmungen. - Im Menuett bezaubert die schlicht gleitende Melodie mit ihren zwinkernden Hüpfern im dritten Takt. Der halbtonweise Beginn des Themas entscheidet über das musikalische Geschehen während des ganzen Satzes. - Krönung des Werkes bildet das Finale. Das zügig-geschwinde Zeitmaß, (allegro molto) und der hinreißende Schwung lassen zuweilen fast vergessen, daß kleine Fugen, Nachahmungen und Engführungen strengsten Stils am Werke sind. Einige Kernmotive gilt es zu merken, wenn man den Faden in diesem kunstvollen Irrgarten nicht verlieren will: die ruhigen ganzen Noten des Beginns, das
Triolen-Motiv, in dem der Anfang der Sinfonie wieder aufklingt, das kraftvolle Motiv und die von festen Halben umspannte Achtel-Figur.
Die Haffner-Serenade (D-Dur, Köchel 250),
(geschrieben 1776 zur Hochzeit der salzburgischen Bürgermeisterstochter Elisabeth Haffner) gibt musikalische Unterhaltung auf einer sehr hohen künstlerischen Ebene. Der Klang wird stark durch Bläser bestimmt (außer Streichquartett noch zwei Oboen oder Flöten, zwei Fagotte, zwei Hörner und zwei Trompeten). Das einleitende Allegro maestoso stellt in den Hörnern ein Thema auf, das seine gestaltbildende Kraft auch in dem anschließenden Allegro behält. Im ersten Andante, im ersten Menuett und in dem glitzernden Rondo konzertiert eine Geige mit dem Tutti. In einem zweiten Menuett steigen Schatten auf. Aber der Himmel wird wieder geglättet im Thema des zweiten Andante; dieses Thema wird in Rondoform variiert. Im dritten Menuett wird wirklich getanzt und gesummt. Der Schlußsatz scheint anfänglich zu überlegen, wie er sich geben soll; doch dann springt er ausgelassen in froheste Stimmung.
»Eine kleine Nachtmusik« (Köchel 525, 1787)
ist für mehrfach besetztes Streichquintett geschrieben, doch laufen Kontrabaß, und Cello im Einklang. Vier Sätze voll unbeschreiblicher Anmut. Das Hauptthema des ersten Satzes wird eingeleitet durch fanfarenartige Rufe der Geige, die auch in der Durchführung eine gliedernde Rolle spielen. Im Gegensatz dazu beginnt die Romanze mit zarten behutsamen Melodieschritten. Fest stampft das Menuett auf, knüpft aber im Trio an die Empfindsamkeit der Romanze wieder an. Das Rondo scheint mit seinem Wispern anzukünden, daß die Liebenden sich gefunden haben. Das schwätzt durcheinander und schnäbelt verliebt und höret nimmer auf.
Aus des Meisters Klavierkonzerten spricht im allgemeinen mehr der »vordergründige Mozart«, der glänzende Klavierspieler und Gesellschaftsmensch, als der hintergründige Schöpfer des »Don Juan« und der g-Moll-Sinfonie. Sosehr er die überkommene Form des Klavierkonzerts erweitert hat (Ausgestaltung des Orchesters, Ausbau der Formteile, Beseelung der Klaviermelodie), im Grunde bleibt bei ihm das Konzert eine auf höchster Stufe stehende gesellige Unterhaltung, in der dem Klavierspieler das Hauptwort eingeräumt wird. Betrachten wir kurz einige Konzerte, die uns heute noch am stärksten ansprechen.
Klavierkonzert d-Moll (Köchel 466, 1785),
eines der wenigen Konzertwerke, die mehr Bekenntnis- als Spielmusik umschließen. Der Stimmungsausdruck liegt im Orchester. Entscheidend für den ersten Satz das Absetzen von Solo und Orchester: Zwiesprache zwischen Mensch und Geschick. Im zweiten Satz (Romanze) wird die Melodie zur Trägerin eines geradezu romantischen Empfindens. Leidenschaftliche Erregung spricht aus dem wuchtigen Thema des Schlußsatzes; das ist die aufbegehrende Sprache, der auch das Finale der g-Moll-Sinfonie ihre wilde Kraft verdankt.
Klavierkonzert A-Dur (Köchel 488, geschrieben 1786).
Das unvergängliche Lieblingswerk, wenn auch kaum das bedeutendste Klavierkonzert. Verschleierte Wehmut birgt sich hinter dem festlichen Glitzern. Schon das Hauptthema mit seinem angehängten Seufzer weiß davon zu reden; noch mehr das Seitenthema, das so duftig daherkommt und in der verbindenden Halbton-Figur dennoch seine süße Wehmut nicht mehr zu verheimlichen vermag. Und wie zart setzt im fis-Moll-Andante der Siziliano-Rhythmus ein, wie verhaucht er in den Zweiunddreißigsteln, wie erschrickt er in dem unvermutet eintretenden G-Dur-Klang vor seiner eigenen Heiterkeit: Im Presto des Schlußsatzes schüttelt Mozart alle leisen Bedenklichkeiten ab: mit zwei kühnen Sprüngen geht es an - dann tollt das Thema in wirbelnder Fahrt davon.
Klavierkonzert c-Moll (Köchel 491, geschrieben 1786). Ein Blick auf das Hauptthema des ersten Satzes läßt die feste, gläubige Haltung Mozarts musikalisch deutlich werden. Aus dieser harmonisch verdunkelten Melodie mit ihren kurzen Septimen-Sprüngen entwickelt sich ein entsprechend reiches modulatorisches Leben. Den Septimen-Sprung, nur in umgekehrter Richtung, verwendet auch das Thema des Schlußsatzes, eines großartigen Variationen-Teils. Im Mittelsatz (Larghetto) ergreift die Innigkeit des liedartigen Themas ebenso wie die lockere Gelöstheit der Bläser.
Klavierkonzerte D-Dur (Köchel 537, komponiert 1788). Das als »Krönungskonzert« bezeichnete Werk (Mozart spielte es zusammen mit dem F-Dur-Konzert 1790 anläßlich der Kaiserkrönung) wetteifert an Beliebtheit mit dem in A-Dur. Bedeutend ist der Schlußsatz; hier spürt man in der großartigen Durcharbeitung und der verdichteten Fassung, wie in dem Komponisten langsam die drei großen Sinfonien des gleichen Jahres heranreifen. Sehr eindringlich wirkt die Einbettung des verinnerlichten Mittelsatzes in den äußeren Glanz der Ecksätze.
Im allgemeinen können sich die 1777 geschriebenen Violinkonzerte mit den Klavierkonzerten nicht messen; stärker noch als diese sind sie im überlieferten Unterhaltungsstil gehalten. Zwei von ihnen werden ihrer prächtigen Wirkung wegen auch heute noch gern gespielt: das D-Dur-Konzert (Köchel 218) mit dem straffen Kopfsatz, dem volkstümlich anmutigen Schluß-Rondo und dem innigen Andante, dessen Hauptthema in der Oboen-Fassung ganz persönliche Züge trägt, zum andern das /I-Dur-Konzert (Köchel 219), bei dem wiederum der langsame Satz echte Mozart-Töne aufklingen läßt. Während der erste an französische Vorbilder und der letzte mit dem eingeschobenen »Alla Turca« an Haydn erinnert, allerdings wesentlich flüssiger geschrieben ist.
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