|
Konzertführer
Anton RUBINSTEIN 1829-1894
Anton Rubinstein (1829-1894, Russe) erhielt ersten Unterricht im Klavierspiel in Moskau bei seiner Mutter. 1841 riet Liszt dem Zwölfjährigen zu Studien in Deutschland. Zusammen mit seinem Bruder Nikolaus arbeitete er einige Jahre fleißig in Berlin. Dann Konzertreisen in aller Welt. Gründete 1862 das Konservatorium in Petersburg. Der Zar erhob ihn in den Adelsstand, 1891 erhielt er den preußischen Pour le merite. Er hinterließ: Opern, Sinfonien, Orchester-Fantasien und -Suiten, Ouvertüren, Klavier-, Cello- und Geigenkonzerte, Kammermusik, Lieder, Chöre usw.
Klavierkonzert, d-Moll
Klavierkonzert d-Moll
Als Klavierspieler behauptet Anton Rubinstein seinen Platz unmittelbar neben Liszt; dagegen sind die meisten seiner Kompositionen in Deutschland kaum noch bekannt. Dennoch muß wenigstens des Klavierkonzertes d-Moll (Opus 70) kurz gedacht werden, weil es die Gattung der virtuosen Klaviermusik nachromantischer Prägung besonders deutlich vertritt. Rubinstein zeigt sich hier (wie in den meisten seiner Kompositionen) nicht als geborener Russe, sondern schwimmt gewandt im Fahrwasser Liszts und Schumanns. Der große Schnitt der Hauptthemen ist den sprechenden Musikgebärden Liszts verwandt, nur wesentlich virtuosenhafter und (bei aller Wirksamkeit) sehr äußerlich. Dagegen sind die Gesangsthemen meist von Schumann beeinflußt, wandeln sich jedoch sehr oft ins Süßlich-Weichliche. Zuweilen mischt Rubinstein auch Liszts und Schumanns Ausdruck ineinander. So in dem Thema des ersten Satzes aus dem d-Moll-Konzert, in dem er das ganze Klavier
zum Erklingen und zum Erzittern bringt. Hält man die Weichlichkeit des Gesangsthemas dagegen (der Beginn scheint Liszts A-Dur-Konzert zu entstammen), so bemerkt man, daß Rubinstein weniger eine Schöpfernatur gewesen ist als ein Nachgestalter, dem es auf überstarke Gegensätze, auf Wirkung um jeden Preis ankam. Im zweiten Satz offenbart sich der Komponist schmachtender Lieder: er kann sich von seiner Melodie gar nicht trennen und wiederholt sie mehrere Male. Der Schlußsatz (Allegro; Rondo) bemächtigt sich eines russischen Themas, führt es aber »westlich-virtuos« durch. In diesem Rondo ahnt man (fast noch mehr als in dem Thema unseres Beispiels), daß Rubinstein ein leidenschaftlicher, besessener Klavierspieler gewesen sein muß: dieser Leidenschaft hat er sein schöpferisches Gewissen geopfert.
|