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Konzertführer

Noten

 

Franz SCHUBERT
1797-1828

 

 

 


Einleitung
Orchesterwerke
Kammermusik
Klavierwerke

 


 

Klavierwerke

Daß der größte Teil von Schuberts Klavierwerken durchaus lyrischer Art und daher für den Konzertsaal kaum geeignet ist, versteht sich von selbst - nicht minder, daß sie in der Hausmusik eine noch größere Rolle zu spielen berufen sind als bisher. Deutsche Tänze, Walzer, Galopps, Ländler, ferner die Impromptus und Moments musicaux bergen eine Fülle erlesener Kostbarkeiten. Unter diesen auch einige Konzertwerke wie das quellenhaft rieselnde As-Dur-Allegretto und die B-Dur-Variationen.

Die Sonaten werden im Konzertsaal ziemlich stiefmütterlich behandelt. Gewiß ist ihr ruhiges Kreisen, ihre Längen, ihre verhältnismäßige Gleichförmigkeit nicht jedermanns Sache. Aber warum hat man nur selten den Mut, die bedeutenden Sonaten zu kürzen und dadurch ihre Schönheiten zu retten? Als Beispiel für viele wählen wir die Sonate a-Moll von 1823 (Opus 143), weil deren Kopfsatz zum ersten mal den Ausgleich zwischen der vorbildhaften Größe eines beethovenschen Sonatensatzes und dem (auf Harmonie und Klang ruhenden) Eigenwesen schubertischer Sonatensprache bringt. Bereits das Hauptthema enthält alle Bestandteile, aus denen der Satz aufgebaut wird. Nicht im Sinne keimhafter Spannung wie bei Beethoven, vielmehr als gedrängte Stimmung, die sich im Verlauf ausbreitet und vertieft. Das Thema wirkt wie leises Anschlagen eines Balladengedankens, und der ganze Satz ist eine einzige reiche, auf einen gemeinsamen Kern bezogene Ballade. Jede Einzelheit des Themas ist wichtig, weil sie späterhin ausgestaltet wird: das Oktaven-Unisono der melodischen Linie, das kurze Abreißen des dritten Viertels nach einer halben Note, vor allem auch die punktierte Figur des zweiten Taktes, aus der durch einfache Reihung und akkordischen Satz ritterliche Bilder entstehen. Demgegenüber tritt das Seitenthema schlicht und einfach im Rhythmus auf, wird erst in der Durchführung durch Triolen leicht belebt. Bildhaft und stimmungsdicht wie dieser erste Satz ist auch das Andante, während das Schluß-Allegro, obwohl nicht so zwingend wie der erste Satz, dadurch fesselt, daß er nicht eben häufig bei Schubert - ganz auf Bewegung gestellt ist. Sehr reizvoll die zahlreichen Gegensätze von nachahmender Stimmführung in den triolengeschärften Teilen, von fester Akkordik und singender Melodik.

An konzertmäßiger Wirkung übertrifft natürlich die Wanderer-Fantasie (Opus 15) alle Schubert Sonaten. Der Form nach sollte man sie besser zu den Sonaten rechnen (Satzfolge: Allegro / Adagio / Presto-Scherzo / Allegro); ihrem Gehalt nach ist sie allerdings unverkennbar eine Fantasie oder - wenn man so will - eine lyrische Klavier-Sinfonie, geboren aus inniger Verschmelzung liedhafter und virtuoser Bestandteile, klavieristischer und orchestraler Klangwirkungen. Die vier Sätze gehen pausenlos ineinander über und haben ein gemeinsames Grundthema, und zwar über eine Stelle aus Schuberts Klavierlied »Der Wanderer«. Unser Beispiel gibt vier (abgesehen vom Presto nur im Zeitmaß  verschiedene) Erscheinungsformen des Kerngedankens wieder.

Auch das Seitenthema des ersten Satzes ist aus dem gleichen Grundgedanken hervorgewachsen. Mit diesen thematischen Hinweisen wird man sich leicht durch das gewaltige Werk finden. Stürmisch atmend, weit ausholend, kernig erfühlt und virtuos ausgestaltet der erste Teil in C-Dur. Das Adagio Thema steht in Cis-Dur, ähnelt in seiner akkordischen Feierlichkeit manchem Adagio-Thema von Beethoven, ohne seine Herkunft aus dem Lied zu verleugnen. Dieses Thema wird mehrfach auf verschiedene Weise variiert, steigt zu akkordischer Mächtigkeit, sinkt in der letzten Variation leise zurück. Tänzerisch die Gebärde des Presto (As-Dur), viel vorweggenommener Chopin, nur kerniger, erdhafter. Auf diese Walzer-Fantasie folgt - abermals ohne Pause - der Schlußsatz; das Thema in donnernden Baßoktaven wird sogleich fugiert; Terzen- und Sextenparallelen machen den Klang noch fülliger. Und wenn die Fugierung aufhört, setzen Dreiklangfiguren, Akkordschläge und Tremoli dem Ganzen neue Glanzlichter auf. In heftiger, klirrender und rollender Steigerung stürmt das Werk zu einem rauschhaften Schluß.

 

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