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Konzertführer
Franz SCHUBERT 1797-1828
Einleitung Orchesterwerke Kammermusik Klavierwerke
Orchesterwerke
Wenn man Schuberts große Sinfonien (die Jugendwerke können hier außer Betracht bleiben) studiert, so läßt sich etwa sagen, daß er die Wiener sinfonische Schule gewissermaßen noch einmal zusammenfaßt: von Haydn kommen ihm die Ländler- und Menuett-Weisen, von Mozart die reich quellenden gesangsmäßigen Melodien, von Beethoven das Riesenmaß der Form (wenigstens in der 7. Sinfonie). Freilich mit Umfärbungen, die Schuberts weicher Gemütsart entsprechen . Vor allem sind Schuberts Sinfonien niemals - im Gegensatz etwa zu Beethoven - vorwärtsdrängende Auseinandersetzungen, sondern schwelgerisches Auskosten des Gegebenen. Das wesentlich Neue der sinfonischen Sprache Schuberts läßt sich mit den Worten umschreiben: »fließende Harmonik« und »warme instrumentale Tönung«. Stets ergreift dieses Ineinandergleiten der einst so scharf abgesetzten Tonarten, stets überrascht die traumwandlerische Sicherheit, mit der Schubert die reichere harmonische Gestalt in die entsprechend getönte Instrumentation einzukleiden vermag. Schuberts Harmonik und Instrumentierung schaffen zum ersten Male den »romantischen Klang« in der Sinfonie.
Sinfonie h-Moll (»Unvollendete«).
Aus welchem Grunde Schubert den zwei Sinfoniesätzen, die er 1822 geschrieben hatte, nicht die abschließenden Teile hinzufügte, ist unbekannt. Aber wenn auch »unvollendet«, so ist sie doch »vollendet«. Überströmend an Erfindung und Empfindung der erste Satz: pianissimo beginnen die tiefen Streicher mit einer dunklen Einleitungsweise, die Geigen bringen ein neues Motiv, im 13. Takte erscheint das schwermütige Hauptthema, neue Einfälle folgen bis dann die Celli zu unruhiger Synkopenbegleitung die berühmte wehmütige Weise anstimmen, die wie wenige Sinfoniethemen weltbekannt geworden ist. Was folgt, ist nicht eine Durchführung im eigentlichen Sinne, sondern ein stimmungsreiches Gegen- und Miteinander des thematischen Gutes, das aber unablässig durch neue Einfälle bereichert wird. Im zweiten Satz wechseln Trauer und Trost, weben sich ineinander, verschlingen sich.
Sinfonie C-Dur Nr. 7 (geschrieben 1828).
Dieses umfangreiche Werk mit den »himmlischen Längen«, wie Robert Schumann etwas zu überschwenglich meinte, will nicht sinfonisch gehört werden; dazu ist es zu wenig gebaut. Es ist eher ein Kreis von herrlichen Liedern, die sich gegenseitig stützen und bestätigen, steigern und ergänzen. Mit romantischen Hornklängen beginnt der erste Satz ein vorbereitendes Andante. Das Motiv wird wiederholt, ins Heldische gehoben, dann löst es seine Kraft auf in punktierte Rhythmen der Hörner, Triolen der Geigen und Synkopen der Bratschen. Im Allegro springt ein knappes, punktiertes Motiv in den Geigen auf, ständig begleitet von Triolen der Holzbläser. Jünglingshafter Frohsinn, der später durch das Terzenthema der Oboen und Klarinetten ins Tänzerische gewandelt wird. Allmählich dämmert sie herauf, die Welt der Romantik, mit ihrer träumerischen Waldseligkeit, in die sich zuweilen Stimmen geisterhafter Wesen mischen. - Im zweiten Satz (Andante) herrscht eitel Melodienseligkeit. Der Moll-Charakter des ersten Themas wird einleitend von den Celli und Kontrabässen festgelegt, dann beginnt die Oboe ihre straffe, doch zugleich wehmütige Weise. Und nun quillt es unerschöpflich aus der Brust des unsterblichen Liedsängers. Eine Melodie nach der anderen, eine inniger als die andere. Dann wieder Ansätze zu lebensbejahender Selbstbehauptung; kraftvolle Rhythmen schreiten durch das volle Orchester. Aber bald verliert sich die Kraft wieder in dem erneut anhebenden schwärmerischen Melodienreigen. Unwirsch beginnt das Scherzo mit aufschreckenden Achteln und groben Vierteln der Streicher. Aber sogleich nehmen Oboen, Flöten und Klarinetten sanft beschwichtigend dieses Motiv auf, wandeln es ins Liebliche. Dieses Frage- und Antwortspiel geht eine Weile dahin, dann sind die Streicher bezwungen; und zum Zeichen ihrer gewandelten Stimmung singen sie eine Wiener Walzermelodie, die berückend emporsteigt. In der Durchführung wird das Spiel wiederholt. Der weitgespannte Gesang des Trios betont die idyllische Grundhaltung des Scherzos und der ganzen Sinfonie. - Das Finale hält mit den ersten drei Sätzen der Sinfonie gestalterisch nicht Schritt. Es ist eine ständige Wiederholung der gleichen Gedanken. Vielleicht sind die Themen dieses Satzes zu schön, als daß Schubert es hätte übers Herz bringen können, sie in ihre Bestandteile zu zerlegen und damit ihren Zauber zu zerstören. Schon das kurze Motiv des Beginns ist so einmalig erfunden, daß es eine Umformung gar nicht mehr erträgt. Aus ihm entwickelt sich eine lange Triolenjagd der Geigen und ein engstufiges, freudig bewegtes Thema von unvergeßlichem Schnitt. Und vollends das Seitenthema! Ist es nicht begreiflich, daß sich der Schöpfer selbst nicht trennen konnte von diesem frohen Dahinströmen?
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