theateraustria.net


OPER & OPERETTE

OPERNHÄUSER

OPERNFÜHRER

OPERETTENFÜHRER

GESCHICHTE

FACHWÖRTER-LEXIKON

FLAMENCO & TANZ

SPIELPLÄNE

FLAMENCO-STUDIOS

TANZSCHULEN

GITARRE

KÜNSTLER

KÜNSTLER EINTRAGEN

FLAMENCO LINKS

GESCHICHTE

STILARTEN

KLASSIK

SPIELORTE

KONZERTFÜHRER

INSTRUMENTENKUNDE

THEATER

THEATER & KABARETT

ENGL.THEATERS

ADRESSEN & DIVERSES

MUSEEN

LINKS

IMPRESSUM

 

 

 

Konzertführer

Noten

 

Richard STRAUSS
1864-1949

 

 

 


Einführung
Orchesterwerke 1
Orchesterwerke 2
Orchesterwerke 3
Orchesterwerke 4
Chorwerke

 


Orchesterwerke 3

 

»Ein Heldenleben« (1899). Strauss stellt hier sein künstlerisches Ich gegen eine Welt von Widersachern. Aber diese Welt fällt - von heute aus gesehen - zusammen mit seiner eigenen. Diese schrankenlose Ich betonung mit Aufbietung allen äußeren Prunks ist genau die Welt, deren Widersacher er zu sein glaubte. Wer möchte bestreiten, daß das »Heldenleben« ein Meisterwerk ist. Aber ein allgemeingültiges Kunstwerk? Nein. Daherbeginnt die zuweilen recht grelle Tondichtung merklich zu verblassen. Die einzelnen Abschnitte tragen besondere Überschriften. »Der Held« steht natürlich mit seinem Thema an der Spitze der Tondichtung: kraftvoll auffahrend, echte Straussische Heldenweise, dann aber vorübergehend matter. Dieser erste Abschnitt bringt noch mehrere Neben-Themen und Motive, Ausdruck der verschiedenen Eigenschaften des Helden. Bald rühren sich »Des Heiden Widersacher«. Wie es scheint, vorwiegend Holzköpfe; denn vor allem die Holzbläser dienen zu ihrer Darstellung. Das sind die raschen Giftspritzer. Aber da scheinen noch einige behäbige Spießer zu sein: dicke Quinten der Tuben. Die Auseinandersetzung mit dem Heldenthema (dessen Sieg natürlich feststeht) leitet über zu »Des Helden Gefährtin«: Geigensolo in hoher Lage, weich und doch nicht ohne Launen, zärtlich und auch sehr selbständig. Zwiesprache zwischen zwei Menschen, dann ein Liebesgesang, nicht eben tief, aber sehr klangschön.

Plötzlich schmetternde Trompeten - der Feind rüstet aufs neue. Der Held muß auf die »Walstatt«. Dieser Abschnitt der Tondichtung wirkt verwunderlich. Im »Widersacher«-Satz waren es unverkennbar die bösen Musikkritiker, denen die Töne galten. Auf der »Walstatt« will der Held diese Leute offenbar totschlagen und erschießen. Nun der stolze Hinweis auf »Des Helden Friedenswerke«. Dieser Abschnitt bildet einen kunstvoll gefügten Lorbeerkranz, den sich Strauss selbst aufs Haupt setzt: die wichtigsten Themen der früher geschaffenen Tondichtungen geben sich ein Stelldichein.

Musikalisch ein bewundernswerter ruhiger Satz von erlesener Feinarbeit. Einige Takte trüber Ergebenheit bereiten den Schluß vor: »Des Helden Weltflucht und Vollendung« . Noch ein fernes Wetterleuchten überstandener Kämpfe, dann senkt sich Einsamkeit herab: Stille der Welt, Stille des Inneren. Tröstende Weisen schweben heran, bringen Heilung und Gleichmut.

 

 

»Sinfonia domestica« (1903). Entscheidend für die Beurteilung dieses Werkes ist nicht so sehr die Frage, ob ein Künstler mit einer »häuslichen Sinfonie« den Vorhang vor seinem Familienleben aufreißen dürfe. Vielmehr müssen andere Bedenken geltend gemacht werden. Ein Riesenorchester von mindestens hundert Spielern verträgt sich kaum mit dem idyllenhaften Stoff, und die Darstellung wird nicht ins Allgemeingültige gehoben. Auf jeden Fall versinkt auch dieses Werk immer mehr. Zuzugeben ist, daß hier eine kleinbürgerliche Welt in einem großbürgerlichen Hause erfrischend und meisterhaft abgemalt worden ist. Überfülle der Themen und Motive, Vielstimmigkeit und Füllstimmigkeit des solistisch behandelten Riesenorchesters, schwierigste technische Nußknackerprobleme über das ganze Werk ausgestreut - und doch Klarheit, Übersichtlichkeit, Gliederung, Maß. Über das einsätzige, jedoch in fünf Abschnitte aufgegliederte Werk nur ein paar äußerliche Hinweise.

Im ersten Teil werden die »handelnden Personen« vorgestellt; ihnen und ihren Empfindungen sind ganze Themengruppen beigegeben: Die des Mannes (»gemächlich«), der Frau (»sehr lebhaft«, auch »grazioso«) und des Kindes (dreifaches Piano, zu Sorgen Anlaß gebend). In dieser Familie geht es heiter und ärgerlich, auf jeden Fall lebendig zu. Ein kleines Scherzo schildert »Kindliches Spiel. Elternglück«, ein köstliches In-Beziehung-Setzen der drei Themengruppen (»munter«). Das Kind muß ins Bett, die Klarinette singt ein »Wiegenlied«, das Kinderthema schläft buchstäblich ein, pingpong schlägt das Glockenspiel sieben Uhr. Wundersam das »Adagio«: sinnend der Abschnitt des Mannes (»Schaffen und Schauen«), dem sich dann das Thema der Frau gesellt. Ein Rückblick, dann ein Sichfinden in inniger Zusammengehörigkeit (»Liebesszene«). Mit der Nacht kommen »Träume und Sorgen«, bis es wieder sieben Uhr schlägt im Glockenspiel. Sehr lebhaft geht der neue Tag an: das Kind quäkt, der Mann behauptet etwas, die Frau kommt mit einer Gegenbehauptung, und schon ist der »Lustige Streit« da. Natürlich sehr kunstvoll bei einer Musikerfamilie: Behauptung und Gegenbehauptung werden zu Themen einer verzwickten Fuge. Überraschend kommt dann der »Friedvolle Beschluß«, freudig begrüßt.

 

 

»Eine Alpensinfonie« (1915). Zwar nur ein (Riesen)-Satz, aber deutlich in die gewohnten großen Sinfonie-Abschnitte gegliedert. Ein Meisterwerk der Instrumentierungskunst, aber - bei aller Bewunderung - ein bloßes Nachbilden äußerer Dinge, das zuweilen sogar peinlich deutlich wirkt (vor allem dort, wo die Bilder der Bergbesteigung in genau umgekehrter Richtung beim Abstieg wiederholt werden). Noch ist es »Nacht«, sehr leise sinkt in Streichern und Fagotten ein dunkles Motiv herab; verhalten zeichnen weihevolle Akkorde der Posaunen und Tuben die Bergwelt. Allmählich bricht der Tag an; »Sonnenaufgang«. Durch die erwachende Natur schreitet der Mensch zum »Anstieg«. Von nun an beherrscht das Wanderthema weite Strecken des musikalischen Weges. Ein Nebenthema scheint sich »felsig« dem Wandernden entgegenzustellen. Hörner in der Ferne; denn bald folgt der »Eintritt in den Wald«: rauschende Wipfel, feierliche Stimmung im Waldes-Dom, singende Vögel, immer wieder das Wanderthema. Weiter geht die »Wanderung neben dem Bach«, bis der 'Wasserfall« erreicht ist, der nun mit allen Klangkünsten hör-, seh- und fühlbar gemacht wird. Aus dem Schäumen und Glitzern der Wasser löst sich eine »Erscheinung«.

Dann eine sehr einfache Hornweise: Frohgefühl. »Auf blumige Wiesen« ist der Wanderer gelangt: zart schwingt es im Orchester. Und nun sind wir auch gleich »Auf der Alm«: Herdenglocken, Juchzer, Jodler, Tuter. Jetzt »Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen«, Wander- und Felsenthema gegeneinander, verschlungenes Fugato. Dann »Auf dem Gletscher«. »Gefahrvolle Augenblicke« wollen noch überstanden werden, ehe der Kletterer »Auf dem Gipfel« steht. Und dann eine »Vision«, wohl das bedeutendste Stück der Partitur. Doch »Nebel steigen auf« und »Die Sonne verfinstert sich allmählich«. Die Streicher werden wehmütig: »Elegie«.

Das Wandermotiv mahnt zum Abstieg. Mischfarben, wogende Klänge, wie Nebel und Dämmerung, ein leises Grollen der Pauken: »Stille vor dem Sturm«. Holzbläser, wie verängstigt, aber auch schrill, sausende Geigen. Windmaschine, Paukendonner. »Gewitter und Sturm. Abstieg«: Heulen und Blitzen, Rollen und Zucken im entfesselten Orchester.

Dazu - kaum zu Worte kommend - die früheren Themen des Anstiegs und der einzelnen Bilder, jetzt aber in »Umkehrung«, geschwind vorüberziehend. Noch ein letzter Ausbruch - dann langsame Beruhigung, friedvolles Verrieseln. »Sonnenuntergang«, verlängert erklingt das Sonnenthema. »Ausklang«: Bilder des Geschauten kehren wieder. »Nacht«: dunkler und leiser wird es, Rückgriff auf den Beginn des Werkes.