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Konzertführer
Richard STRAUSS 1864-1949
Einführung Orchesterwerke 1 Orchesterwerke 2 Orchesterwerke 3 Orchesterwerke 4 Chorwerke
Orchesterwerke 4
»Der Bürger als Edelmann.« Orchestersuite (1915). Herausgelöst aus der ursprünglichen Verschachtelung der Musik zu dem gleichnamigen Bühnenstück Molieres und zu der »Ariadne« von Hofmannsthal. Ganz kleines Orchester, ein wenig Rokoko, ein Schuß Barock, gewürzt aus Straussens Wundergarten. Das Geschehen muß man allerdings kennen. 1. Ouvertüre. Der reichgewordene Klein-Pfahl- und Spießbürger Jourdain stöckelt in scheinbar vornehmer Haltung einher, kann aber seine Plumpheit nicht verbergen. 2. Menuett. Der »Burschoa« versucht sich im Tanzen unter Anleitung eines Lehrers. 3. Der Fechtmeister. Diesmal übt Jourdain nicht Tanzen, sondern Fechten. 4. Auftritt und Tanz der Schneider. Lustige Schneider machen bei Jourdain Anprobe. Wie man sich in dem Staatsgewand zu geben habe, zeigt ein Geselle (Geigensolo: Polonaise). 5. Das Menuett des Lully. In ein so vornehmes Haus gehört vornehme Musik: Herr Jourdain läßt also ein Menuett des berühmten französischen Komponisten spielen. Strauss ahmt Lully nach und die Nachbildung ist schöner als das Vorbild. 6. Courante. Wieder ein altfranzösischer Tanz; diesmal ein bewegter. Sologeige. 7. Auftritt des Cleonte. Nochmals Lully: Motive des französischen Komponisten dienen dazu, die »feierliche «Werbung des Herrn Cleonte um Jourdains Tochter nachzuzeichnen. 8. Vorspiel zum zweiten Aufzug: Intermezzo. Graf Dorantes und die Marquise Dorimene machen Herrn Jourdain ihren Besuch. Sie sind Verliebte und Adelige; daher »Andante galante e grazioso«. 9. Das Diner. Ein kleiner feiner Marsch untermalt das Auftreten der Bediensteten, die einen gedeckten Tisch hereinbringen. Es gibt Rheinsalm zu Klängen des »Rheingolds«, Geflügel zum Tirili des Orchesters.
Herr Jourdain wird trunken, vom Wein und von der schönen Marquise, der er ein rührseliges Lied in das Öhrchen singt. Zum Schluß eine Überraschung: ein kleiner Küchenjunge hüpft aus einer Schüssel, beginnt einen Walzer zu tanzen, den alles mitwalzen möchte.
»Metamorphosen«. Studien für 23 Solostreicher (1946). Philosophisch-klassisches Reifewerk eines Alters, das in gelassener Schwermut auf ein Leben zurückschaut. Eine freie Fantasie, die in kunstvoller Vielsträhnigkeit einen Grundgedanken abwandelt. Lastend-langsam der Beginn, allmähliche Steigerung zu bewegter vielstimmiger Klangschönheit, dann ein Zurückgehen auf die Anfangsstimmung. Das Ganze bekenntnishaft durchzogen von »Parsifal«Anklängen und »Eroica«-Rhythmen. Ein Werk des Alters, der Reife, ein Kunstwerk.
Burleske für Klavier und Orchester d-Moll (1885). Ein eigenwilliges (wenn auch in Einzelheiten von Brahms beeinflußtes) Jugendwerk, das dem Klavierspieler wie dem Orchester allerlei abverlangt. Schnurrig das Wechselspiel der Klanggruppen. Die vier Paukentöne zu Beginn ziehen bereits ein Eulenspiegel-Gesicht. Dieses Paukenmotiv bestimmt zusammen mit einem widerborstigen Terzen Motiv das musikalische Fangballspiel. Das spaßige, zuweilen wie eine heitere Gespenstergeschichte anmutende Werk wird durch einige stille Nebensätze hin und wieder ins Zärtliche gewandelt.
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